Endlich Einträge im Gedenkbuch

Die Projektgruppe „Stolpersteine für Lübbenau“ hat Neuigkeiten zu verkünden. Seit dem 7. Oktober 2016 kann man nun auf der Webseite des Gedenkbuchs des Bundesarchives die Einträge zu Max Plessner und Beatrice Ledermann nachlesen. Somit ist es uns gelungen, dass zwei weitere Opfer des Holocaust nicht in Vergessenheit geraten, damit sich Verbrechen wie diese nicht wiederholen. Natürlich haben wir damit unsere Recherchen noch nicht beendet, denn es gibt mit Sicherheit noch unzählige weitere Schicksale, die es zu ergründen gibt.

 

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de971203  (Max Plessner)

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de268574  (Beatrice Ledermann)

Werbeanzeigen

Positive Rückmeldung aus Köln

Die Gruppe „Stolpersteine für Lübbenau“ setzte sich seit langem mit der Aufarbeitung der gesammelten Dokumentationen zu unserer Arbeit, zu unseren Recherchen und den Stolpersteinverlegungen auseinander.
Der Grund für die zeitaufwändige und intensive Arbeit ist eine Bitte, die uns von der Kunst- und Museumsbibliothek Köln (KMB) erreichte. Diese möchte eine Ausstellung über den Künstler Gunter Demnig, der durch sein Kunstprojekt „Stolpersteine“ auf die Opfer der NS-Zeit erinnern will, gestalten. Um den hohen Anforderungen einer renommierten Bibliothek gerecht zu werden, gestaltete ein ausgewählter Teil unserer Gruppe zwei aussagekräftige DVDs. Dazu mussten die seit schon drei Jahren gesammelten und angelegten Archivmaterialien, Dateien, Zeitungsartikel, Bilder und Videos zu Max Plessner und Beatrice Ledermann und zu den Stolpersteinverlegungen durch Gunter Demnig geordnet und archiviert werden. Um unserer erfolgreichen Arbeit einen angemessenen Rahmen zu geben, gestalteten Helen und Carlo zwei Covers für die DVDs.
Als erfolgreichen Abschluss zu unserer Dokumentation bekamen wir jetzt von Frau Dr. Purpus, der Direktorin der KMB, eine positive Bestätigung zu unserer Arbeit, in der unsere Sammlung als „in dieser Geschlossenheit eine Bereicherung“ für ihr Archiv bezeichnet wird. Natürlich werden wir weiterhin zu den jüdischen Schicksalen aus Lübbenau forschen und Sie über neue Erkenntnisse informieren.

TH

Cover2BL.png

Franz-Bobzien-Preisverleihung

Keine Preisträger – aber preisverdächtig

Neue Motivation holte sich die Projektgruppe „Stolpersteine für Lübbenau“ kürzlich bei der Veranstaltung zu Verleihung des Franz-Bobzien-Preises der Stadt Oranienburg und der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Sachsenhausen.

Julia Stöbe aus der Projektgruppe des letzten Schuljahres und Til Herrmann als Vertreter der aktuellen Gruppe, nahmen an der Preisverleihung in der Orangerie des Schlosses Oranienburg teil. Ministerpräsident Dietmar Woidke persönlich ließ es sich nicht nehmen, in seiner Laudatio für die Preisträger, die Kolping-Jugend Berlin, allen Bewerbern für ihre überaus engagierte Arbeit an den vielfältigen Projekten zu danken. Auch der Bürgermeister der Stadt Oranienburg, Hans-Joachim Laesicke, machte in seiner Rede Mut zur Fortsetzung unserer Arbeit.

Die Erinnerung wachhalten

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ (Talmud)
Unter dieser Devise führt der neue Grundkurs Geschichte der Klasse 11 des Paul-Fahlisch-Gymnasiums das Stolpersteinprojekt fort. Unsere Vorgängergruppen verlegten schon durch die Hilfe von Gunter Demnig zwei Stolpersteine in Lübbenau. Um die weiteren Vorhaben der Vorgänger fortzusetzen, forschte ein Teil der Gruppe in alten Gerichtsakten, um die Biografie des Tierarztes Max Plessner zu vervollständigen. Max Plessner wurde am 29. April 1875 in Berlin geboren. Anlässlich seines Ehrentages möchten wir an den beliebten Lübbenauer Tierarzt erinnern.

Am 22. August 1942 fand man ihn um 17:00 Uhr, nach seinem Selbstmord durch eine Morphin-Injektion, tot in seiner Wohnung auf. Beigesetzt wurde er auf dem „Alten Friedhof“, welcher heute der Skulpturenpark ist. Nachdem Paul Claudius Max Plessner von Berlin nach Lübbenau geholt hatte, lebte dieser dort 40 Jahre lang zusammen mit seiner Wirtschafterin Martha Nadebor neben Familie Claudius im Dachgeschoss des Hauses in der heutigen Ehm-Welk-Straße 34. Außerdem konnten wir aufgrund unserer ausgiebigen Recherche herausfinden, dass Max Plessner als Frontkämpfer am 1. Weltkrieg beteiligt war. Er verrichtete seinen Dienst als Oberveterinär im Ersatz-Feldartillerie-Regiment in Zossen. Bereits seit 1899 durfte er als staatlich zugelassener Tierarzt arbeiten und übernahm später zudem die Fleischbeschauung. Er war nicht nur aufgrund seiner hervorragenden Allgemeinbildung in vielen Bereichen sehr beliebt, sondern auch wegen seiner „ruhigen, hilfsbereiten, ehrlichen, hochanständigen und tüchtigen Art“ , wie Fritz Gadebusch, ehemaliger Amtsgerichtsrat aus Lübbenau, berichtete, der seit 1921 durch seine antifaschistische Haltung eine enge Freundschaft zu Max Plessner pflegte. So fuhr er aufs Land, um dort Sprechstunden abzuhalten, wurde zu Routineuntersuchungen des Viehbestandes von vielen Bauern zu Rate gezogen und scheute dank seiner tierlieben Art nicht davor zurück, auch mehrere Nächte in Viehställen zu verbringen, um die Genesung so schnell wie möglich voranzubringen. Natürlich konnte auch Plessner nicht jedes Tier retten, umso schwerer fiel es ihm, dem durch den Verlust eines Tieres geschädigten Bauern, eine Rechnung zu schreiben. Anstatt dessen wurde er von den Bauern zum Beispiel zum Abendessen eingeladen oder nahm auch ein Dankeschön als ausreichende Belohnung entgegen. Herr Schulze aus Lübbenau erinnert sich, dass Max Plessner auch bei seiner Mutter und ihrer Familie in Stennewitz auf dem Hof geholfen hat. 1928 wurde deren Haus gebaut und sie betrieben Landwirtschaft. Ende der zwanziger Jahre, zur Zeit der Wirtschaftskrise, habe Max Plessner auch schon mal für ein Abendbrot und etwas Geschlachtetes die Tiere behandelt. „Das war eben ein anständiger Mensch“, so Herr Schulze.
Deswegen ist es kaum verwunderlich, dass unzählige Bauern trotz Entzuges seiner Praxis im Jahre 1938, nachdem ihm 1936 bereits nach Verfügung des Innenministers die Fleischbeschauung entzogen wurde, seine Hilfe in Anspruch nahmen. Auch wenn sie später mit Bestrafungen zu rechnen hatten, holten sie sich dennoch Ratschläge bei dem „beliebten Tierarzt“ (Erna Schulz). Erna Schulz besaß ein Geschäft in der Ehm-Welk-Straße 32. Sie berichtete bereits 1947 darüber, wie sie durch das Schaufenster ihres Geschäftes beobachten konnte, wie Bauern mit ihren Wagen kranke Tiere zu Max Plessner nach Lübbenau brachten.

Wegen seines hochanständigen Charakters blieb Max Plessner auch nach seinem Suizid bei der Bevölkerung und deren Nachkommen in guter Erinnerung. Denn er blieb bis zum letzten Moment, bis seine Seele dem Druck nicht mehr standhalten konnte, trotz mehrfacher Schikanen und Niedermachungen stark und immer hilfsbereit.

Holocaustgedenktag in Lübbenau

Auch in diesem Jahr wurde der Holocaustgedenktag am 27. Januar in Lübbenau feierlich und würdevoll begangen. Schülerinnen und Schüler der Traugott-Hirschberger-Grundschule und der Oberschule „Ehm Welk“ gestalteten zur Feierstunde in der Bunten Bühne ein bewegendes Programm. Pfarrer Andreas Döhle und Bürgermeister Helmut Wenzel gemahnten in ihren Reden an das hohe Gut der Menschenrechte, gerade auch in unserer aktuellen Situation. Auf dem Friedhof wurden anschließend am Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus Blumen niedergelegt. Das Paul-Fahlisch-Gymnasium wurde dabei von den Schülerinnen und Schülern der Projektgruppe „Stolpersteine für Lübbenau“ würdig vertreten. (AP)

ES GEHT WEITER…EINE NEUE PROJEKTGRUPPE

Der neue Grundkurs Geschichte der Klasse 11 des Paul-Fahlisch-Gymnasiums hat entschieden, das Stolpersteinprojekt weiterzuführen. Die Schüler wollen alle Vorhaben der Vorgänger fortsetzen, um die Schicksale der damals in den Suizid getriebenen Personen, der Lübbenauer Geschäftsfrau Beatrice Ledermann und dem Tierarzt Max Plessner, zu erforschen. Wir versuchen die Lücken in der Biographie dieser Personen zu schließen. Außerdem hat unsere Gruppe ein großes Interesse daran, ein neues Schicksal zu ergründen. Aber zuerst möchte unser Kurs Grabsteine für Beatrice Ledermann  und Max Plessner aufstellen.

Vor kurzem haben wir eine Ausstellung besucht, bei der wir viele neue Informationen über Lübbenau herausfinden konnten. Zum Beispiel: Wie die Stadt entstanden ist, oder welche Handelsbeziehungen damals geführt wurden. Außerdem waren dort noch viele alte Schriftstücke ausgestellt, als Höhepunkt die Originalurkunde von 1315, in der die Stadt Lübbenau erstmals erwähnt wurde. Durch die Ausstellung führte uns der sehr kompetente Historiker Michael Mehlow, der all unsere Fragen beantwortete. Gleichzeitig nutzten wir die Zeit, um uns vor Ort die schon verlegten Stolpersteine anzusehen.

Nun beginnen wir mit der Vorarbeit für das Vorhaben unseres Kurses. Wir hoffen, dass wir, wie die zwei Kurse vor uns, viel erreichen werden.