#weremember

Anlässlich des 22. Holocaustgedenktages veranstaltete der Geschichtsgrundkurs des Paul-Fahlisch-Gymnasiums am Donnerstag, den 25. Januar 2018 die zentrale Gedenkstunde der Stadt Lübbenau/Spreewald. Gedacht wurde dabei der Opfer des NS-Regimes.

Eröffnet wurde die Gedenkveranstaltung mit einem Klavierstück, gespielt von Kimberly Marks. Unsere Projektgruppe trug Lebensläufe, amtliche Dokumente und Zeugenaussagen über Ernestina Gallardo vor. Die Tochter einer Lehrerin und eines chilenischen Offiziers half Verfolgten, sich den Nazis zu entziehen, indem sie sie in ihrer Wohnung in der Markgraf-Albrecht-Straße 8 in Berlin versteckt hielt. Die junge Frau konnte ihre aufstrebende Karriere als Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin durch die Nationalsozialisten nicht weiter verfolgen. Sie gehörte einem antinationalsozialistischen Netzwerk an, welches sich dem Regime widersetzte und Verfolgten Unterschlupf, Lebensmittel und auch falsche Pässe zur Verfügung stellte. Durch ihre in Lübbenau beheimatete jüdische Tante besuchte sie die Stadt im Spreewald des Öfteren.

„Kein Mensch kann in die Zukunft blicken, ohne die Vergangenheit zu kennen.“ Der Bürgermeister von Lübbenau, Herr Wenzel, hielt während der Gedenkstunde eine Rede, und erinnerte damit an die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. Den Hashtag „#weremember“ nahm die Lübbenauer Pfarrerin Frau Garve zum Anlass, nicht nur an die Opfer des Holocaust zu erinnern, sondern auch auf gegenwärtige Tendenzen der Ausgrenzung vermeintlich „Anderslebender“ aufmerksam zu machen.

Unser Anliegen, mit unserem Erinnern auch die Zukunft zu gestalten, hat mit dieser emotional bewegenden Stunde sicherlich das Publikum erreicht.

Für die Projektgruppe Henry Werth

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GEGEN DAS VERGESSEN

Die Projektgruppe „Stolpersteine für Lübbenau“ war am 29. November 2017 in der Lübbenauer Altstadt unterwegs. Anlässlich des 75. Sterbetags von Beatrice Ledermann am 27. November 1942 besuchten wir den Verlegungsort der Stolpersteine. Die Exkursion diente als Erinnerungszeichen für die Lübbenauer Geschäftsfrau, damit ihr Schicksal nicht in Vergessenheit gerät. Dort angekommen, säuberten wir zunächst die Gedenksteine für die beiden jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Zuerst gedachten wir des Lübbenauer Tierarztes Max Plessner, indem wir zwei weiße Rosen niederlegten. Überraschenderweise begegnete uns Herr Claudius, der Max Plessner als Kind noch kennenlernen durfte. Jedoch kann er sich nicht mehr genau an Max Plessner erinnern, da er damals noch zu jung war. Außerdem wünschte er uns noch viel Erfolg bei der weiteren Recherche. Nachdem wir uns von Herrn Claudius verabschiedet hatten, liefen wir zum Stolperstein für Beatrice Ledermann. Jeder legte eine weiße Rose neben den Gedenkstein. Frau Pohler berichtete währenddessen von der damaligen Zeit und den herrschenden Umständen, aber auch von den Verlegungen der Stolpersteine 2014 und 2015. Die Fotostudiobesitzerin Frau Arndt unterstützte tatkräftig die Verlegung des Steines für Frau Ledermann, da sich ihr heutiges Wohnhaus am alten Wohnort der Jüdin befindet. Bevor wir den Rückweg antraten, stellten wir uns auch ihr noch vor.

Patrick Güttler, Martin Brauer

 

 

DIE NEUE STOLPERSTEINGRUPPE STELLT SICH VOR

Wir sind zwölf Schüler des Grundkurses Geschichte des Paul-Fahlisch-Gymnasiums in Lübbenau: Florian Kortz, Marven Wuttke, Eddy Giebner, Henry Werth, Marvin Reschke, Anton Scheppan, Niklas Lange, Jonas Noack, Patrick Güttler, Martin Brauer, Eric Schneider und Jonas Lehmann. Zu Beginn des Schuljahres 2017/18 standen wir vor der Wahl, zwischen „normalem“ Geschichtsunterricht und Projektarbeit zu wählen. So haben wir uns zunächst in vier verschiedenen Teams mit den Recherchen unserer Vorgänger vertraut gemacht. Vor uns haben sich bereits drei Projektgruppen mit den Schicksalen jüdischer Opfer des nationalsozialistischen Regimes beschäftigt. Obwohl in Lübbenau bereits zwei Stolpersteine zur Erinnerung an den Lübbenauer Tierarzt Max Plessner und die Geschäftsfrau Beatrice Ledermann verlegt wurden, haben wir gemerkt, dass dies gerade unter den Schülern wenig bekannt ist. Die vorherige Projektgruppe hatte schon damit begonnen, die Grabstellen von Max Plessner und Beatrice Ledermann aufzufinden. Ihr Ziel, dort Grab- oder Gedenksteine zu errichten, konnten sie leider nicht verwirklichen. Nach der Herausarbeitung der Ergebnisse der Vorgänger wollen wir uns nun auf die Dokumentation des Schicksals Ernestina Gallardos und die Aufstellung von Gedenksteinen an den Gräbern von Max Plessner und Beatrice Ledermann konzentrieren. Unser Ziel ist es, den Zusammenhang der Schicksale an unserer Schule und in Lübbenau bekannter zu machen.

Für die Projektgruppe Marven Wuttke

Zwei Jahre spannender Recherche gehen zu Ende …

Wir haben uns in den letzten zwei Jahren dem Projekt „ Stolpersteine für Lübbenau“ gewidmet. Allerdings neigt sich nun auch unsere Schulzeit dem Ende zu, denn das Abitur steht vor der Tür.  Andererseits haben wir auch einige spannende und bahnbrechende Entdeckungen in den Berliner Archiven gemacht. Wir haben ergründet, wer Ernestina Gallardo war. Sie ist eine Nichte von Beatrice Lederman. In den letzten Wochen stellte sich auch heraus, dass Beatrice Ledermann neben Anna Ledermann noch zwei weitere Schwestern hatte, die wie Ernestina Gallardo in Berlin lebten. Beatrice Ledermann und Max Plessner sind nun auch im Gedenkbuch des Bundesarchives verzeichnet. Dies lag unseren Vorgängern am Herzen.

Unser Ziel, Grabsteine für Beatrice Ledermann und Max Plessner an ihren Begräbnisstellen auf dem alten Friedhof in Lübbenau aufzustellen, konnten wir leider nicht umsetzen, weil nachträglich keine Grabsteine aufgestellt werden dürfen. Aber es gibt vielleicht eine neue Projektgruppengeneration, die sich des Themas wieder annimmt und es schafft, Gedenktafeln für die beiden zu platzieren. Obwohl wir nun wissen, wer Ernestina Gallardo war, konnten wir leider ihre Biografie noch nicht bis ins kleinste Detail aus den Akten in Erfahrung bringen. Diese und zukünftige Aufgaben übertragen wir der nächsten Projektgruppe. Im Zusammenhang mit Ernestina Gallardo sind wir auf den Namen Carlota del Monta gestoßen und möchten wissen, um wen es sich hierbei handelt.

Wir wären sehr dankbar, wenn sich eine neue „Stolpersteingeneration“ findet, denn dieses regionale Thema darf einfach nicht in Vergessenheit geraten. Es stellt einen wichtigen Teil in unserer Heimatgeschichte dar.

Unser Dank gilt:

Jonas Drabow, der ein Jahr in unserer Gruppe mitgearbeitet hat,

Herrn Pfarrer Andreas Döhle, der unsere Recherchen tatkräftig unterstützte,

Herrn Joachim Liedtke, der uns stets zur Seite stand,

Familie Seeliger, der wir in Herzlichkeit verbunden sind,

Frau Babara Schieb, die als Leiterin der Gedenkstätte „Stille Helden“ in Berlin wichtige Spuren legte,

Herrn Stephan Zakow, der uns als Leiter der Entschädigungsbehörde für die Opfer des Nationalsozialismus in Berlin Einblick in die Akten gewährte,

der Schulleitung, die unsere Fachexkursionen wohlwollend genehmigte,

Herrn Helmut Wenzel, der als Bürgermeister der Stadt Lübbenau/Spreewald immer hinter unserem Projekt stand,

Herrn Florian Schöning, der als Initiator des Projektes auch unsere Präsenz auf der Schulhomepage ermöglichte

und natürlich unserer Geschichtslehrerin

Frau StRin Antje Pohler, die uns zu Beginn der 11.Klasse den Vorschlag zur Weiterführung des Projektes unterbreitet und uns dann während der 2 Jahre kompetent begleitet, unterstützt und angeleitet hat.

Helen Bernhardt, Til Herrmann, Carlo Bückert, Henry Kerstan, Anne-Lena Rössel, Antonia Sergel, Hannes Slowik, Michelle Vadászi, Richard Witt.

In stillem Gedenken…

Im ersten Semester der Sekundarstufe II begann unsere Suche nach den Grabstellen von Max Plessner (1875 -1942) und Beatrice Ledermann (1866-1942) auf dem alten Friedhof in Lübbenau. Unser großes Ziel war es, durch einen Grabstein oder eine Gedenktafel an sie zu erinnern. Immerhin hatten uns unsere Vorgänger in der Projektgruppe „Stolpersteine für Lübbenau“ am Paul-Fahlisch-Gymnasium dies als Vermächtnis mit auf den Weg gegeben. Ihnen war es gelungen, im Jahre 2014 und 2015 durch den Kölner Künstler Gunter Demnig Stolpersteine für Max Plessner und Beatrice Ledermann verlegen zu lassen. Diese erinnern an den ehemaligen Wohnorten an die beiden Lübbenauer Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns. Doch wo sind sie begraben? Grabsteine sucht man vergebens.

Der erste Anlaufpunkt unserer Suche war der Lübbenauer Pfarrer Herr Döhle. Seine Worte „Ein Grabstein setzt ein Grab voraus.“ wurden zum Leitspruch unserer Recherchen nach den Grabstellen.

Unsere Vermutung ging dahin, dass die beiden Verstorbenen möglicherweise am Rand des Friedhofsfeldes bestattet wurden, weil sie vor ihrer drohenden Deportation in ein Vernichtungslager Selbstmord begangen hatten und viele Hinweise auf eine unwürdige Bestattung hindeuteten. Diese Annahme wurde dadurch gestützt, dass sich die leider kürzlich verstorbene Zeitzeugin  Frau Ilse Müller in einem früheren  Interview daran erinnerte, dass die beiden abseits von den anderen Verstorbenen begraben wurden. Herr Döhle unterstützte unsere kleine Gruppe nach Kräften bei ihrem Vorhaben. So begann eine lange, staubige Suche in den dicken Kirchenbüchern der evangelischen Kirche. Wir fanden sehr schnell die Namen der Gesuchten. Leider war bei beiden nur eine Angabe zum Begräbnisfeld A auf dem Friedhof vorhanden, wodurch eine genaue Bestimmung der Grabstelle zu diesem Zeitpunkt nicht möglich war. Wir waren enttäuscht, als wir bei Max Plessner nur Angaben bezüglich seiner Berufsbezeichnung und seinem Nachnamen fanden. Doch angesichts der Umstände seines Todes ist dies nachvollziehbar. Zu Beatrice Ledermann fanden sich immerhin Geburts- und Sterbedatum. Weitere Hinweise gab es allerdings nicht. So galt es, auf dem von Herrn Döhle bereitgestellten Friedhofsplan zunächst herausfinden, wo das Feld A liegt.

Uns war außerdem bekannt, dass Anna Ledermann, die ältere Schwester von Beatrice Ledermann, einige Jahre vor Beatrice verstorben ist. Aus diesem Grund wollten wir ermitteln, wo sie 1937 bestattet wurde, weil eine mögliche Nähe der Grabstellen von Beatrice Ledermann und Anna Ledermann nicht auszuschließen war. Wir besuchten dann das Kirchenbucharchiv der Nikolaikirche, um dort Nachforschungen über Anna Ledermann anzustellen. Bedauerlicherweise war unsere Suche nicht von Erfolg gekrönt.

Der Alte Friedhof war zu diesem Zeitpunkt schon mehr als ein Jahr für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Verkehrssicherheit ist nicht mehr gegeben. Eine unserer Vorgängergruppen hatte mit Pfarrer im Ruhestand Joachim Liedtke den Friedhof besichtigt,  als er noch zugänglich war.

Daraufhin haben wir Herrn Liedtke befragt. Er konnte uns die ihm bekannten Grabstellen sehr genau beschreiben. Wir haben wir uns alte Fotos angesehen, auch Google-Maps kam zum Einsatz. So entpuppte sich ein auf dem Friedhofsplan eingezeichneter schmaler Weg am unteren Ende der Karte als eine viel größere Fläche als zuvor gedacht. (FOTO)

Es gelang uns nun nachzuvollziehen, wo sich die Stelle auf dem Friedhofsfeld A befindet. Diese Stelle passte ebenfalls zu einer Aussage der Zeitzeugin Ilse Müller, dass Max Plessner und Beatrice Ledermann in Sichtweite des Familiengrabes Müller begraben worden seien. Das Puzzle setzte sich langsam zusammen.

Anknüpfend an die Aussage von Herrn Liedtke durchsuchten wir noch einmal alle

Bildmaterialien der Vorgängergruppe und stießen schließlich auf ein Foto, das zu den Aussagen Herrn Liedtkes passte. Es zeigte eine Gruppe von drei Bäumen, die eine Art Dreieck bilden. Natürlich kann man nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass Max Plessner und Beatrice Ledermann an diesem Baumdreieck bestattet worden sind. (FOTO) Wir können es nur annehmen, da es zurzeit keine Möglichkeit gibt, den Friedhof zu besichtigen.

Wir legen nun bald unser Abitur ab und beenden damit unsere Forschungsarbeit in der Projektgruppe „Stolpersteine für Lübbenau“. Wir werden unsere Rechercheergebnisse an unsere Nachfolger weitergeben und vielleicht gibt es weitere Hinweise und Unterstützung aus der Bevölkerung, die es ermöglichen, dass eines Tages doch noch Steine an den Gräbern stehen.

Unser herzlicher Dank gilt Pfarrer Andreas Döhle, der uns stets mit großer Geduld unterstützte, und Pfarrer im Ruhestand Joachim Liedtke für seine hilfreichen Hinweise. Wir erinnern uns mit großer Dankbarkeit an Frau Ilse Müller.

 

Für die Projektgruppe „Stolpersteine für Lübbenau“

Anne-Lena Rössel, Hannes Slowik, Michelle VadasziFriedhofsplanFoto mutmaßliche Grabstellen

Rechercheerfolg der Projektgruppe „Stolpersteine für Lübbenau“ in Berlin

Unser Besuch am 9. Februar 2017 im LABO, dem Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin, bei Herrn Zakow, dem Leiter der Entschädigungsbehörde für die Opfer des Nationalsozialismus des Landes Berlin, erfüllte alle unsere Erwartungen und überstieg diese noch.

Wir wollten mehr über die in Berlin als „Stille Heldin“ geehrte Ernestina Gallardo (1912-1982) und ihr Leben erfahren. Auch eine mögliche Verwandtschaft zwischen ihr und der Lübbenauer Geschäftsfrau Beatrice Ledermann (1866-1942), an deren Schicksal hier in unserer Stadt ein Stolperstein erinnert, galt es aufzudecken. Bei unseren ersten Recherchen vor Ort in den Akten wurden wir nicht nur von Herrn Zakow, sondern auch von Frau Schieb, der Leiterin der Gedenkstätte „Stille Helden“ in Berlin, tatkräftig unterstützt.

Sie hat uns eingeladen, anlässlich einer Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte in Berlin am 6. Mai 2017 Auszüge aus den Akten zu lesen.

Wir ließen es uns nicht nehmen, auch das ehemalige Wohnhaus von Ernestina Gallardo in der Berliner Markgraf-Albrecht-Straße 8 aufzusuchen und ihrer zu gedenken.

Es wird weitere Veröffentlichungen zum Leben und Wirken Ernestina Gallardos geben und über die Verbindungen zwischen Berlin und Lübbenau.

Michelle Vadaszi

Reise in die Vergangenheit

Die Projektgruppe „Stolpersteine für Lübbenau“ unternahm am 15. Dezember 2016 eine Fachexkursion in die Gedenkstätte „Stille Helden“ in Berlin. Dort angekommen begrüßte uns die Gedenkstättenleiterin Frau Schieb und führte uns zunächst durch die Räumlichkeiten der Gedenkstätte. Im Besucherraum stellten wir uns als Projektgruppe vor  und präsentierten unsere bisherigen Rechercheergebnisse zum Leben von Beatrice Ledermann und ihrer möglichen Verwandten Ernestina Gallardo. Daraufhin stellte uns Frau Schieb die Intention für die  Gründung der Gedenkstätte, die Ehrung der „unbesungenen Helden“, vor. Die „unbesungenen Helden“ waren Westberliner Bürger, welche während der Zeit des Nazi-Regimes Juden vor ihrem Schicksal der Deportation bewahrt haben, ohne daraus selbst Profit zu schlagen. Frau Schieb gab uns hilfreiche Hinweise in Bezug auf die verwandtschaftlichen Verhältnisse der zuvor genannten Opfer des Nationalsozialismus. Während wir mit Frau Schieb die Akten durcharbeiteten, kam uns der Gedanke, dass die Einsicht in die Entschädigungsakte von Ernestina Gallardo genauere Hinweise über die Beziehung von Ernestina Gallardo und Beatrice Ledermann liefern könnte.