In stillem Gedenken…

Im ersten Semester der Sekundarstufe II begann unsere Suche nach den Grabstellen von Max Plessner (1875 -1942) und Beatrice Ledermann (1866-1942) auf dem alten Friedhof in Lübbenau. Unser großes Ziel war es, durch einen Grabstein oder eine Gedenktafel an sie zu erinnern. Immerhin hatten uns unsere Vorgänger in der Projektgruppe „Stolpersteine für Lübbenau“ am Paul-Fahlisch-Gymnasium dies als Vermächtnis mit auf den Weg gegeben. Ihnen war es gelungen, im Jahre 2014 und 2015 durch den Kölner Künstler Gunter Demnig Stolpersteine für Max Plessner und Beatrice Ledermann verlegen zu lassen. Diese erinnern an den ehemaligen Wohnorten an die beiden Lübbenauer Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns. Doch wo sind sie begraben? Grabsteine sucht man vergebens.

Der erste Anlaufpunkt unserer Suche war der Lübbenauer Pfarrer Herr Döhle. Seine Worte „Ein Grabstein setzt ein Grab voraus.“ wurden zum Leitspruch unserer Recherchen nach den Grabstellen.

Unsere Vermutung ging dahin, dass die beiden Verstorbenen möglicherweise am Rand des Friedhofsfeldes bestattet wurden, weil sie vor ihrer drohenden Deportation in ein Vernichtungslager Selbstmord begangen hatten und viele Hinweise auf eine unwürdige Bestattung hindeuteten. Diese Annahme wurde dadurch gestützt, dass sich die leider kürzlich verstorbene Zeitzeugin  Frau Ilse Müller in einem früheren  Interview daran erinnerte, dass die beiden abseits von den anderen Verstorbenen begraben wurden. Herr Döhle unterstützte unsere kleine Gruppe nach Kräften bei ihrem Vorhaben. So begann eine lange, staubige Suche in den dicken Kirchenbüchern der evangelischen Kirche. Wir fanden sehr schnell die Namen der Gesuchten. Leider war bei beiden nur eine Angabe zum Begräbnisfeld A auf dem Friedhof vorhanden, wodurch eine genaue Bestimmung der Grabstelle zu diesem Zeitpunkt nicht möglich war. Wir waren enttäuscht, als wir bei Max Plessner nur Angaben bezüglich seiner Berufsbezeichnung und seinem Nachnamen fanden. Doch angesichts der Umstände seines Todes ist dies nachvollziehbar. Zu Beatrice Ledermann fanden sich immerhin Geburts- und Sterbedatum. Weitere Hinweise gab es allerdings nicht. So galt es, auf dem von Herrn Döhle bereitgestellten Friedhofsplan zunächst herausfinden, wo das Feld A liegt.

Uns war außerdem bekannt, dass Anna Ledermann, die ältere Schwester von Beatrice Ledermann, einige Jahre vor Beatrice verstorben ist. Aus diesem Grund wollten wir ermitteln, wo sie 1937 bestattet wurde, weil eine mögliche Nähe der Grabstellen von Beatrice Ledermann und Anna Ledermann nicht auszuschließen war. Wir besuchten dann das Kirchenbucharchiv der Nikolaikirche, um dort Nachforschungen über Anna Ledermann anzustellen. Bedauerlicherweise war unsere Suche nicht von Erfolg gekrönt.

Der Alte Friedhof war zu diesem Zeitpunkt schon mehr als ein Jahr für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Verkehrssicherheit ist nicht mehr gegeben. Eine unserer Vorgängergruppen hatte mit Pfarrer im Ruhestand Joachim Liedtke den Friedhof besichtigt,  als er noch zugänglich war.

Daraufhin haben wir Herrn Liedtke befragt. Er konnte uns die ihm bekannten Grabstellen sehr genau beschreiben. Wir haben wir uns alte Fotos angesehen, auch Google-Maps kam zum Einsatz. So entpuppte sich ein auf dem Friedhofsplan eingezeichneter schmaler Weg am unteren Ende der Karte als eine viel größere Fläche als zuvor gedacht. (FOTO)

Es gelang uns nun nachzuvollziehen, wo sich die Stelle auf dem Friedhofsfeld A befindet. Diese Stelle passte ebenfalls zu einer Aussage der Zeitzeugin Ilse Müller, dass Max Plessner und Beatrice Ledermann in Sichtweite des Familiengrabes Müller begraben worden seien. Das Puzzle setzte sich langsam zusammen.

Anknüpfend an die Aussage von Herrn Liedtke durchsuchten wir noch einmal alle

Bildmaterialien der Vorgängergruppe und stießen schließlich auf ein Foto, das zu den Aussagen Herrn Liedtkes passte. Es zeigte eine Gruppe von drei Bäumen, die eine Art Dreieck bilden. Natürlich kann man nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass Max Plessner und Beatrice Ledermann an diesem Baumdreieck bestattet worden sind. (FOTO) Wir können es nur annehmen, da es zurzeit keine Möglichkeit gibt, den Friedhof zu besichtigen.

Wir legen nun bald unser Abitur ab und beenden damit unsere Forschungsarbeit in der Projektgruppe „Stolpersteine für Lübbenau“. Wir werden unsere Rechercheergebnisse an unsere Nachfolger weitergeben und vielleicht gibt es weitere Hinweise und Unterstützung aus der Bevölkerung, die es ermöglichen, dass eines Tages doch noch Steine an den Gräbern stehen.

Unser herzlicher Dank gilt Pfarrer Andreas Döhle, der uns stets mit großer Geduld unterstützte, und Pfarrer im Ruhestand Joachim Liedtke für seine hilfreichen Hinweise. Wir erinnern uns mit großer Dankbarkeit an Frau Ilse Müller.

 

Für die Projektgruppe „Stolpersteine für Lübbenau“

Anne-Lena Rössel, Hannes Slowik, Michelle VadasziFriedhofsplanFoto mutmaßliche Grabstellen

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